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Kinder brauchen Bücher. Eltern auch – ein Kinderbuch kann einen aus ziemlich verflixten Situationen retten.  Das weiß nicht nur Samuel Mumm.

Am allerbesten sind die Kinderbücher, bei denen der Erwachsene mit dem Lesen immer unsicherer wird, ob es wirklich  ein Kinderbuch ist, in dem er da blättert.

Ich frage mich, woran es wohl  liegt, dass „Momo“ von Michael Ende immer wieder neben dem Regal liegt. Da liest  einer in der Zwischenzeit  genüsslich und freut sich daran, was der  Kollege so tut:

Beppo liebte diese Stunden vor Tagesanbruch, wenn die Stadt noch schlief. Und er tat seine Arbeit gern und gründlich. Er wusste, es war eine sehr notwendige Arbeit.

Wenn er so die Straßen kehrte, tat er es langsam, aber stetig: Bei jedem Schritt einen Atemzug und bei jedem Atemzug einen Besenstrich. Dazwischen blieb er manchmal ein Weilchen stehen und blickte nachdenklich vor sich hin. Und dann ging es wieder weiter: Schritt – Atemzug – Besenstrich.

Während er sich so dahinbewegte, vor sich die schmutzige Straße und hinter sich die saubere, kamen ihm oft große Gedanken. Aber es waren Gedanken ohne Worte, Gedanken, die sich so schwer mitteilen ließen wie ein bestimmter Duft, an den man sich nur gerade eben noch erinnert, oder wie eine Farbe, von der man geträumt hat.

Beppo Straßenkehrer ist für mich in der Scheibenwelt  als Geschichtsmönch h.c. absolut denkbar ! Natürlich kann der B-Raum auch „Die unendliche Geschichte“ bieten und in meiner privaten Bibliothek finden sich   „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ , das Bilderbuch „Ophelias Schattentheater“ ( mit liebevoll-üppigen  Bildern von Friedrich Hechelmann ) und „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch

Und natürlich alles über Pipilotta Viktualia Pfefferminza Ephraimstochter Langstrumpf von der grossen Astrid Lindgren.

Oder Otfried Preußler: Von der kleinen Hexe über den kleinen Wassermann zum Räuber Hotzenplotz  und  zu Krabat .

Preußler wurde übrigens kurz nach Erscheinen von „Die kleine Hexe“  im jahr 1957 von zahlreichen Vertretern der  katholischen Kirche harsch angegriffen. Durch sein Buch würde er Kinder an den Okkultismus heranführen. Pöse, pöse !  Glücklicherweise waren das nur einige wenige Miesmacher  und die kleine Hexe verschwand nicht in der Makulatur.

Preußler hat sich zu Lebzeiten energisch  dagegen ausgesprochen, seine Bücher umzuschreiben und  einige Worte dem Zeitgeist zuliebe neu auszuwählen. Allerdings wurde die kleine Hexe nach seinem Tode  2013 mit Erlaubnis der Preußlererben überarbeitet und der preußler’sche Wortschatz  für das 21. Jahrhundert  geglättet. Das vorliegende Exemplar im B-Raum ist  die vom Bibliothekar gerettete   Originalfassung.

Einen taffen Räuber haben wir noch von Gudrun Pausewang: „Das große Buch vom Räuber Grapsch“.

…sehr klug war der Räuber Grapsch nicht. dafür war er unglaublich stark. Er hatte eine prächtig behaarte Ringerbrust. Seine Ärmel platzten ihm immer wieder auf, weil seine Armmuskeln so dick waren.Seine Hände waren wie Schaufeln.Mit seinem gewaltigen gebiss zermalmte er sogar Wildschweinknochen. Ja, er konnte einem schon Angst einjagen, dieser Grapsch, wenn er so daherkam, fast zwei Meter groß, in Stiefeln Größe 49. Seine roten Henkelohren ragten aus dem Strubbelhaar .Seine Augen lauerten unter buschigen Augen hervor.Seine Nase erinnerte an einen Geierschnabel. Aber am räuberischsten sah sein Bart aus . Das war ein Bart !

Ersparen wir uns die Beschreibung des Bartes, der kann einem zartbesaitetem Menschen glatt den Appetit verderben.

Kinder finden den Bart  grossartig  und fabulieren  noch mehr hinein als Frau Pausewang . Grapsch  klaut nicht nur seinem Gegenspieler  Polizeihauptmann Sieghelm Stolzenbrück regelmässig die Stiefel ( und später auch den Pelzmantel dessen Frau !) , Grapsch klaut sich sogar  in Einvernehmen seine Liebste Olli, baut ein Kompostklo, stirbt fast an einer Überdosis halluzinogener Pilze und bringt die Polizei im Juckener Ländle zum Rasen: Greifen können sie ihn nicht, den Grapsch – der wohnt schlauerweise im Sumpf und nur echte Grapsche wissen, wie man den durchqueren kann, ohne zu versinken. Die Grapschsippe wird übrigens auch stark vermehrt…

Last not least für heute noch ein Oldie : James Krüss , „Timm Thaler oder das verkaufte Lachen“ : Der Baron Lefuet nutzt die Notlage eines kleinen Jungen aus, um ihm durch einen Knebelvertrag das Lachen wegnehmen zu können. dafür gewinnt der kleine Timm jede Wette – als ihm aufgeht, was    für ein mieser Handel das war und  mit wem er es zu tun hat, setzt er alles daran, sein lachen zurückzubekommen.

Voller versteckter Weisheiten ist dieses Buch von James Krüss , deren eine mich immer begleitet:

„Glaube nicht an Herren und Diener, Junge! Glaube nur an kluge und dumme Leute, und verabscheue die Dummheit, wenn sie nicht gutmütig ist .“

Soviel  heute zu  Büchern, die man dem kleinen Sam in die Hand drücken könnte, wenn er mehr sucht als   seine Kuh.

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